Grand Béréby: Das erste Meeresschutzgebiet der Elfenbeinküste

Am 21. Dezember 2020 kündigte die Regierung der Elfenbeinküste (Côte d’Ivoire) ihr erstes Meeresschutzgebiet (Marine Protected Area, MPA) in Grand-Béréby an. Das 2.600 km2 große MPA-Gebiet umfasst wichtige Meeresbodenhabitate und Riff-Ökosysteme sowie weltweit bedeutende Nist- und Futterplätze für die Lederschildkröte, die Grüne Meeresschildkröte und die Oliv-Bastardschildkröte. Außerdem werden mehr als 20 Arten von Haien und Rochen geschützt, darunter Hammerhaie, Mantas und Gitarrenrochen – eine Gruppe von Rochen, die heute als die am stärksten bedrohten Meeresfische der Welt gelten.

Zuvor spielte CEM (Conservation des Espèces Marines oder Conservation of Marine Species), eine 2015 gegründete afrikanisch-europäische NGO, eine wichtige Rolle. Ihr oberstes Ziel war immer der Schutz der Meeresschildkröten an der 40 km langen Küste der Elfenbeinküste: Die Oliv-Bastardschildkröte, Lepidochelys olivacea, die Lederschildkröte, Dermochelys coriacea, und die Grüne Meeresschildkröte, Chelonia mydas, vermehren sich erfolgreich in Grand Béréby.

Die Einrichtung des MPA ist der Höhepunkt jahrelanger Arbeit der Regierung der Elfenbeinküste, der Abidjan-Konvention, der schwedischen Regierung und CEMals wichtige lokale NGO. CEM arbeitete unter anderem mit der University of Exeter, der Wildlife Conservation Society (WCS), Rainforest Trust, oceanBASIS, der Manfred Hermsen Stiftung, dem US Fish and Wildlife Service und dem in Deutschland ansässigen CEM-Europe zusammen und wurde von diesen unterstützt. Letztere wurde zu Ehren von Olaf Grell gegründet, der sich mehrere Jahre vor Ort für CEM engagiert hatte. Auch das Projekt „Grand Béréby“ erhielt die Anerkennung von Blue Solutions (Kooperation von GIZ, IUCN, UNEP und GRID-Arendal). LT&C hatte mehrfach über die Projektentwicklung und das Engagement seiner Mitglieder berichtet.

Am wichtigsten für den Erfolg des Projekts ist jedoch die Unterstützung durch die lokale Bevölkerung und die Tourismusunternehmen.

Der Tourismus ist bereits ein bedeutender Wirtschaftsfaktor in Grand Béréby und Umgebung. Der Standort ca. 50 km westlich von San Pedro mit einer Flugverbindung nach Abidjan wird bereits von größeren Hotels wie „Bay de Sirenne“, „Katoum“ und „La Flotte“ genutzt. Kleinere Unterkunftsanbieter befinden sich in Meneké und Maní. Für den Tourismus ist das Meeresschutzgebiet eine große Attraktion.

Aufgrund der Schönheit und Vielfalt der Landschaft besteht ein großes Potenzial für Natur- und Ökotourismus sowie für geführte Tagestouren in das Schutzgebiet.

Das Hotel „Palm-Rock-Beach“ in San Pedro bietet auch Tagestouren an und involviert seine Nachbarn, Gäste und Mitarbeiter in Aktionen zum Schutz der Meeresschildkröten. So werden z.B. die durch die starke Küstendynamik gefährdeten Ei-Gelege in einen „sicheren“ Hafen gebracht. Außerdem liegen in den genannten Hotels aktuelle Informationen und Kontaktadressen zu dem Meeresschildkrötenprojekt aus. Die Anwohner könnten und sollten mehr als bisher von Tagestouren profitieren. Hier besteht ein Investitions- und Schulungsbedarf. Potenzielle zukünftige Ausgangspunkte für Führungen sind die Mitarbeiter des Meeresschildkröten-Schutzprojekts sowie die „Öko-Wächter“ aus dem angrenzenden Schutzgebiet „Reserve Faune a l’embouchure du fleuve Dodo“.

Im Laufe der letzten Jahre wurde das lokale Wissen über die Meeresschildkröten, ihre Biologie und ihren Lebensraum verfestigt und enorm erweitert. Das Bewusstsein ist gewachsen, dass der Lebensraum der Meeresschildkröten und diese respektvollen Lebewesen selbst einen Wert für die lokale Bevölkerung darstellen und einer der Grundsteine für eine nachhaltige Entwicklung in der Region sind.

Dies ist ein gutes LT&C-Beispiel, denn das Projekt zur Schaffung des MPA Grand Béréby erhielt pädagogische, politische und sogar finanzielle Unterstützung durch den Tourismus. Alle Tourismusakteure in der Region, die CEM bekannt sind, unterstützten das Projekt auf die eine oder andere Weise. Dank der langjährigen Bildungsarbeit von CEM, dem US Fish and Wildlife Service und anderen wurde den Menschen vor Ort mehr und mehr bewusst, welchen Wert Meeresschildkröten haben, wenn ihre Populationen gesund in ihrer natürlichen Umgebung bleiben. Die Menschen haben verstanden, dass der Tourismus Einnahmen für das lokale Wohlergehen bringen kann, mehr Einnahmen als das Entfernen, Ernten und Verkaufen der begrenzten Menge an Schildkröteneiern.

Die Einrichtung eines MPA ist ein vielversprechendes Konzept für ein nachhaltiges Management, das sowohl Einkommen für die lokalen Gemeinden schafft als auch die Zukunft ihrer Meeresschildkröten sichert.

Mehrere Hotels in der Umgebung, wie z.B. „Katoum“, „La Flote“, „Kara Krou“ und „Tabbaoulé“ sind aktiv an der Bildungsarbeit beteiligt. Sie schicken ihre Kunden zur Beobachtung der eierlegenden Schildkröten, bezahlen die Öko-Wächter von CEM und beteiligen sich an der Rettung von Eiernestern und der Freilassung von neugeborenen Schildkröten.

Auf Regierungsebene ist das Ministerium für Tourismus an dem Schutzgebiet interessiert, da sie glauben, dass es ein attraktives Tourismusziel wird. Kürzlich unterstützte das Ministerium CEM bei der Ausbildung von 24 Öko-Touristenführern.

Um das MPA vollständig umzusetzen, muss ein Raumplanungsprozess folgen. Wenn z.B. der UNESCO Man & Biosphere Status beantragt wird, müssen eine größere fischereifreie Kernzone, nachhaltige Nutzungs- und Pufferzonen geplant werden. Die Durchsetzung von Maßnahmen zur Unterbindung der illegalen Fischerei durch ausländische Trawler in den küstennahen Gewässern sollte Hand in Hand mit der Zonierung des Gebiets gehen. Davon würden sowohl die Fischpopulationen als auch die lokale Fischerei profitieren. Weitere Forschungen und partizipative Arbeit mit den lokalen Gemeinden sind von den zuständigen Regierungsstellen geplant und werden von internationalen Forschungseinrichtungen wie der University of Exeter unterstützt, die mit internationalen Hilfsorganisationen verbunden sind.

Ein verstärktes Engagement lokaler und auch nationaler Tourismusunternehmen in Naturschutzaktivitäten könnte das LT&C-Beispiel auch international bekannt machen. Das Meeresschildkrötengebiet ist auch reich an schönen Stränden, einzigartigen Landschaften und malerischen Aussichten. Es gibt ein hohes Potenzial für individuellen und naturnahen Tourismus. Sorgfältig geplant und nachhaltig unterstützt von internationalen Hilfsorganisationen, Naturschutzorganisationen und touristischen Trägern, könnte ein weltweit bekanntes LT&C-Beispiel entstehen, bei dem der Tourismus die Basis für einen funktionierenden Naturschutz und eine lokale, nachhaltige Entwicklung ist.

Da die Regierung plant, ein Netzwerk von mindestens fünf MPAs in Côte d’Ivoire zu schaffen, könnte Grand Béréby als Vorlage für die anderen vier Reservate dienen: das grenzüberschreitende Gebiet der Mündung des Cavally-Flusses in Tabou (Elfenbeinküste – Liberia), das Gebiet des klassifizierten Waldes Dassioko, das Gebiet des Nationalparks Azagny und das grenzüberschreitende Gebiet der Ehotilés-Inseln (Elfenbeinküste – Ghana).

Es könnte auch als Referenz für internationale Gebiete dienen, in denen Tourismus und Meeresschildkröten zusammenkommen. Der Tourismus hat sich weltweit als erfolgreicher Ansatz zum Schutz der Meeresschildkröten erwiesen.

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